Tourenplanung - wie entsteht eine Alpenüberquerung?

Als inhabergeführtes Unternehmen legen wir größten Wert darauf, jede einzelne Tour bestens zu kennen und selbst gefahren zu sein. Dies gilt natürlich auch für die Planung einer neuen Route mit dem Mountainbike über die Alpen. Inzwischen blicken wir auf über 25 Jahre Erfahrung in Sachen Alpencross zurück. 

Erste Überlegungen

Basis jeder gründlichen Planung für eine erfolgreiche Transalp sind dabei folgende Punkte:

  • Wo soll die neue Tour hingehen und wo möchte ich starten?
  • Welches Publikum möchte ich ansprechen?
  • Soll die Tour eher leicht, mittel oder schwer sein?
  • Komme ich in 6 Etappen von A nach B?
  • Welche Pässe möchte ich befahren, welche Highlights möchte ich einbauen?
  • Gibt es auf der Strecke die entsprechende Infrastrukur?
  • In welchen Zeitraum soll die Tour stattfinden?
  • Bekomme ich auch in der Hauptsaison genügend Zimmer in guten Hotels?
  • Finde ich passende Subunternehmer, die Gepäcktransporte und Rücktransfers übernehmen können?

Bei Touren mit dem E-MTB müssen weitere Überlegungen mit einfließen: 
Es dürfen keine Tragestrecken dabei sein und ich brauche unterwegs Nachladestellen für den Akku.

Planung am Schreibtisch

Steht die grobe Planung geht es ans Finetuning. Mit topografischen Landkarten in verschiedenen Maßstäben verschafft man sich einen Überblick. Am Computer wird die Strecke in einzelnen Etappen aufgeteilt - so hat man schon mal die ungefähre Streckenlänge und einen Überblick über die Höhenmeter. Auf guten Karten kann man auch auslesen, ob es sich um Straßen, Schotterwege oder Trails handelt. Mittlerweile spielt die Internetrecherche eine immer wichtigere Rolle. So gibt es beispielsweise fast keinen Pass mehr, den nicht schon irgendjemand befahren hat.

Bei der Einteilung der Etappen gilt es vor allem die Länge, die Höhenmeter und die Wegbeschaffenheit zu beachten. Eine Etappe mit 40 km und 1900 HM fällt sicher nicht unter die Kategorie „Leicht“. Hingegen kann eine Etappe mit 90 km aber nur 600 HM durchaus auch für Einsteiger machbar sein, vorausgesetzt es handelt sich weitgehend um einfachere Radwege, auf denen das Bike gut rollt.
In der Planung legen wir auch schon mal die Orte fest, in denen die Übernachtung geplant ist und recherchieren im Internet, welche Unterkünfte in welcher Qualität zur Verfügung stehen. 

Kleine Häuser mit einer begrenzten Zimmeranzahl werden uns in der Hauptsaison sicher keine 10 Zimmer für eine Nacht geben. Können wir in den Nachbarort ausweichen? Ergeben sich hier schon Engpässe, muss man überlegen, die Strecke umzuplanen.

Der „Live“-Test

Steht die Tour auf dem Papier fest, kommt der wichtigste Punkt: Die Strecke muss mit dem Bike erkundet und auf Herz und Nieren geprüft werden. Dafür laden wir die geplante Route aufs GPS, nehme die Karten in Papierform mit und machen uns mit gepacktem Rucksack auf den Weg. Manche Etappen passen sofort, bei anderen muss man nachbessern und umplanen. Vielleicht sind manche Trails zu anspruchsvoll oder die Etappe doch zu lang. Manchmal sind in der Karte ausgewiesene Wege nicht vorhanden oder für Radfahrer gesperrt. Dann entdeckt man auch neue Trails, die in der Karte noch nicht eingezeichnet waren. Da heißt es dann ausprobieren, abwägen, die Etappe noch einmal fahren und sich mit Einheimischen zu unterhalten.
Unterwegs machen wir Notizen über Wegbeschaffenheit, Gefahrenstellen, Besonderheiten oder Highlights. Wir vermerken Wasserstellen und Plätze, wo man mit der Gruppe die Mittagspause machen kann. 
Worauf wir auch achten: Im Prinzip sollte es für schwierige Etappen bei Schlechtwetter eine Ausweichstrecke geben. Schneefälle sind in den Alpen selbst im Sommer möglich und können einen Pass oberhalb der 2.000 Meter unpassierbar machen.

„Leicht“, „Mittel“ oder „Schwer“?

Wie wichtig es ist, jede (neue) Tour selbst zu „erfahren“, zeigt sich bei der Vergabe des Levels. Dass eine Etappe mit 2000 HM oder mehr, gepaart mit anspruchsvollen Trails, als „Schwer“ bezeichnet wird, ist relativ einfach zu verstehen. Schwieriger wird die Planung von mittelschweren oder leichten Touren, da hier jeder eine andere Vorstellung hat, wie diese aussehen soll.
Leichte Touren dürfen keine fahrtechnischen Schwierigkeiten haben, aber möglichst auf Offroad-Wegen verlaufen und landschaftliche Höhenpunkte aufweisen. Mittelschwere Touren sollten möglichst viele Trails enthalten, die flowig und für die meisten fahrbar sind. Um auch die Höhenmeter in Grenzen zu halten, wird man auch Seilbahnen oder einen Shuttle einbauen. Aber nicht überall werden die optimalen Trails vorhanden sein, schnell können diese für viele zu schwer werden. Ein Kompromiss könnte sein, eine 2-Level-Guided Tour in Erwägung zu ziehen, um technisch weniger versierteren Bikern eine einfachere Route anbieten zu können.

Damit der „Saft nicht ausgeht“

Kompliziert kann die Tagesplanung von E-MTB Touren werden. Nach ca. 1.000 HM muss ein Gasthaus oder eine Berghütte mit der Möglichkeit zum Nachladen der Akkus kommen. Nicht auf jeder Berghütte ist das möglich. Es muss ausreichend Strom mit den entsprechend ausgelegten Leitungen und Sicherungen zur Verfügung stehen, um die Akkus für eine ganze Gruppe laden zu können. Gerade der Boom des E-Mountainbikes zeigt, dass sich die Anforderungen an die Ausgestaltung der Etappen in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Früher standen das alpine Erlebnis und die Höhenmeter bergauf im Vordergrund. Heutzutage ist es meist wichtiger, wo und wie geht es runter.

Der letzte Schliff

Wenn dann nach einiger Zeit doch alles passt, kann der finale GPS-Track und die Höhenprofile erstellt werden. Der Reisepreis wird kalkuliert, die Termine geplant. Auch bei der Auswahl der Termine muss einiges bedacht werden. Hochalpine Touren können erst ab Ende Juni angeboten werden, bei Terminen in der Hochsaison kann es in beliebten Ferienregionen zu Engpässen in den Hotels kommen. Da warten die Hotels nicht auf uns, sondern sind mit Gästen voll, die mehrere Tage bleiben. 
Jetzt endlich kann die Ausschreibung gemacht und die Tour im Web und Katalog veröffentlicht werden. Ist diese letzte Hürde genommen und die Durchführung der Tour sicher, werden unsere Guides gebrieft. Sie bekommen die GPS-Daten, um die Wege, die sie noch nicht kennen, vorher abzufahren.
Wenn die erste Tour mit Gästen durchgeführt worden ist und wir ein positives Feedback erhalten haben, dann sind auch wir zufrieden! Und wird diese Tour regelmäßig gebucht, wissen wir am Ende, dass unsere Planung ein Volltreffer war.